November 2010

Am Wochenende haben wir Ole also endlich wieder besucht.

Lui hatte ihre Freundin Kaddi dabei und ich hatte Petra mit ihrem Husky Nora im Schlepptau.

 

Als erstes zückte ich wie immer die Kamera, um gleich darauf festzustellen, dass der Akku noch zu Hause im Ladegerät steckte (grrr). Daher gibt es von diesem Besuch leider keine Bilder, dafür aber eine Geschichte:

 

Bisher hatte ich weder Klärchen noch irgend einen anderen Hund mit auf der Jungsweide und da ich mir nicht vorstellen konnte, dass das problematisch werden könnte, machten wir vier uns zusammen mit Nora an den Aufstieg. Bei dieses mal etwas ungemütlicherem Wetter ging es durch den Matsch, über den kleinen Bach, den glitschigen Hang hinauf durch das kleine Wäldchen. Unterwegs hatten wir Mühe, aber auch reichlich Spaß an diversen beinahe Ausrutschern auf dem steilen Weg nach oben. Oben angekommen, konnte ich schon die ersten schwarzen Punkte auf weißem Grund erkennen und freute mich wie verrückt, das Tupfentier endlich wieder zu sehen - was für ein niedlicher aber inzwischen auch schon so würdevoller Prachtkerl er schon geworden ist! Wie immer kam als die Herde uns gesehen hatte nicht nur Ole zu uns, sondern auch alle anderen Pferde. Sie sind sehr höflich und eigentlich nicht aufdringlich - wollen immer nur mal sehen, ob es Leckerlis vielleicht nicht nur für den Besuchten, sondern auch für die Kumpels gibt. Gibt es die nicht, ziehen sie entspannt auch wieder weiter. Dieses mal war das allerdings etwas anders - der Grund dafür war Nora. Die Pferde waren überaus fasziniert von ihr und kamen immer dichter an sie ran. Nora fühlte sich sichtlich unwohl - umzingelt von so vielen Pferdenasen, die sie immer spannender fanden. Als der Hund richtig Angst bekam, machte sich Petra auf den Weg zurück bergab und wollte Nora erst mal ins Auto bringen. Ich war damit beschäftigt, die anderen Pferde daran zu hindern, den beiden nach unten zu folgen, was beinahe auch gelungen wäre. Während Ole ganz ruhig neben mir stand und die beiden beobachtete, wendeten sich die anderen Pferde schließlich von den beiden ab und dem Gras wieder zu. Bis auf einen jungen Hengst, der den Hund so spannend fand, dass er gar nicht mit seinem Rückzug einverstanden war. Er nahm die Verfolgung auf und während Petra sowieso schon Mühe hatte mit dem zerrenden Hund auf dem rutschigen Boden steil bergab holte der Hengst die beiden schnell ein und umrundete sie in aufdringlichen kleinen Kringeln. Weil ich nicht riskieren wollte, dass Ole und dann auch die anderen mir folgen würden, was die Lage für Petra und Nora definitiv verschlimmert hätte, blieb ich oben stehen, beobachtete von oben Petra, den Hund und den vom wilden Watz gebissenen Hengst. Ole stand wie angewurzelt neben mir und beobachtete das ganze auch. Er rührte sich nicht und ließ sie nicht aus den Augen, auch nicht als sie ca. 50-60m weiter unten an dem kleinen Wäldchen angekommen waren. Dort hatte Petra schließlich den Schutz der Bäume und Büsche im Rücken und musste so ihre Nora erst mal nur von vorne gegen das junge Pferd schützen, das allerdings immer aufdringlicher versuchte, irgendwie an den Hund heran zu kommen. Gerade als auch ich mich schließlich doch auf den Weg nach unten machen wollte, um den beiden zu helfen weil die Herde inzwischen das Interesse an den beiden verloren hatte, wurde Ole die Sache offenbar zu bunt. Er schaute mich kurz an als wollte er sagen - 'sorry, ich muss da mal was regeln' und aus dem Stand galloppierte er trittsicher dem Spektakel entgegen den steilen Hang hinunter. Unten angekommen schwang er seinen Punktepo mit einer fliegenden Vorhandwendung nach unten, und zwar so, dass er sich damit genau zwischen den Hengst und Petra mit ihrem Hund drängte. Übertrieben gleichgültig Nora gegenüber, wohl aber deutlich abweisend dem Hengst gegenüber stand er einfach nur da und befahl dem kleinen Hengst wortlos den Rückzug. Sichtlich verärgert über die Störung ließ der schließlich von den beiden ab und galloppierte zurück nach oben zu den anderen Pferden.

Ich stand da, mit offenem Mund und konnte kaum glauben was da grade passierte. Noch einen Moment stand Beschützer-Ole da vor den beiden und als schließlich klar war, dass der Peiniger sich endgültig vom Acker gemacht hatte, kam er zurück zu mir nach oben. Vermutlich konnte er mit meinem offenen Mund und den Fury-förmigen Fragezeichen in meinem Gesicht nichts anfangen und graste daher weiter - zufrieden wie einer, der seinen Job gut gemacht hat.

 

Was es auch war - es war unglaublich!

 

Ob das nun sowas wie Gerechtigkeitssinn, Beschützerinstinkt oder der gewissenhaft erledigte Job eines ranghohen Aufpassers war - solcherlei Pferdebenehmen hatte ich jedenfalls bisher nur als kleines Mädchen vor der Glotze bei Fury gesehen...

 

Was mich nach diesem Erlebnis übrigens ziemlich nachdenklich stimmte, war die Frage der aktuellen Rangordnung in der Herde. Immerhin kam Ole hier her, um zu lernen sich anderen Pferden auch mal unterzuordnen. Das klappte ja auch gut, wobei ich sehr froh war, dass er nach den ersten Wochen schnell schon nicht mehr der Rangniedrigste war. Ich hoffte allerdings er würde sich irgendwo in der Mitte einnisten - ob er da allerdings noch anzusiedeln ist, wage ich inzwischen zu bezweifeln. Schon beim letzten Besuch konnte ich nur noch einen von den älteren ausmachen, die ihn wegschicken konnten - alle anderen schien er Kommandos zu geben. Und jetzt diese Geschichte. Erstaunlich war, dass alle anderen Pferde sich schon wieder abgewandt hatten, während er noch hyperaufmerskam ganz genau aufpasste was da vor sich ging. Und als die Situation für ihn warum auch immer nicht mehr tragbar schien, ist er eingeschritten und hat die Sache geregelt.

Ob ich nun wohl fürchten muss, dass er inzwischen schon der Chef der ganzen Herde ist? Wenige Monate nachdem ich seinen Umzug entschieden hatte, weil ich aufgrund seiner unangefochtenen Chefrolle unter drei! Hengstfohlen eine altersgemischte Herde für die Entwicklung seines Sozialverhaltens für besser hielt?!? Was, wenn er nach so kurzer Zeit vierzehn! junge und alte Hengste und Wallache unter der Fuchtel hat? Ich stelle mich also besser jetzt schon darauf ein, dass seine Ausbildung mal eine heitere Herausforderung wird und habe eine leise Ahnung davon, dass dieses Pferd mich endgültig lehren wird, dass es nur freiwillig geht, nur freiwillig Sinn und nur dann auch Freude macht. Nur mit ihm und niemals gegen ihn - was auch immer er tun soll wird er nur dann tun, wenn er es gerne tut und einen 'Sinn' darin sieht.

Ich denke da wächst ein großer Lehrmeister heran und hätte ein großes Ziel erreicht wenn er mich seinen Weg begleiten lässt.

(Amen :o))

 

Und beim nächsten Besuch am 18. November gibts auch wieder neue Bilder. Dann kommt Nina aus Elmshorn uns besuchen und gleich nachdem ich sie vom Flughafen abgeholt habe geht es als erstes zum Professor auf die Weide - ich freu mich jetzt schon drauf!